Überlebenskampf in der Hotellerie?


Beim DestinationCamp 2011 fanden Diskussionen zu vielen touristischen Themen statt: Eine davon war betitelt mit dem „Überlebenskampf in der Hotellerie“.

Was steckt hinter diesem Titel?

Aufhänger für die Diskussion war die Fragestellung, wie die Hotellerie, die bspw. in Österreich, Deutschland und der Schweiz vor allem von Privatbetrieben dominiert wird, mit den wachsenden Anforderungen an Vertriebssteuerung, Preispolitik und auch Produktqualität in einem zunehmend komplexeren Marktumfeld weiterhin erfolgreich bleibt.

Begleitend zu dieser Fragestellung wurde vor allem das Thema diskutiert, ob Destinationen in ihren Vermarktungs- oder auch Vertriebsaktivitäten Rücksicht auf Betriebe nehmen können, deren Qualität und Leistung möglicherweise nicht mehr dem Marktumfeld entsprechen.

Steigende Komplexität in Markt und Methoden fordert Hotellerie heraus

Wie man sich vorstellen kann, wurde diese Diskussion sehr intensiv und teilweise auch emotional geführt, da jeder der Teilnehmer weiß: Ein starker Markt braucht starke Marktteilnehmer. Die steigende Komplexität in Markt und Methoden (Yielding, Channel Management, Social Dialogue) stellen ganz neue Herausforderungen an die Mitarbeiter und vor allem die Führungskräfte in der Hotellerie.

An zwei Punkten möchte ich gerne das Gespräch aufgreifen und um Ihre Meinungen bitten:

1) Ausbildung:

Werden denn junge Hotelfachleute und Mitarbeiter in der Hotellerie auf die zunehmend komplexen und komplizierten Aufgaben in der Hotellerie ausreichend vorbereitet?

Welche Möglichkeiten können Hotels anbieten und wo ist die Schule gefragt?

Wird in den Hotelbetrieben Managementkompetenz aufgebaut und auch wertgeschätzt? Wie findet dort die Weiterbildung und der Wissenstransfer statt?

2) Weiterbildung:

Gibt es für die Hotellerie ausreichend Angebote, sich selbst und ihre Mitarbeiter auf die Aufgaben und Herausforderungen des zunehmend komplexen Hotellerie-Umfeldes vorzubereiten?

Werden die Angebote genutzt oder überhaupt nachgefragt?

Können individuell geführte Betriebe von den Management-geführten Hotels lernen? Welche Themen aus der Kettenhotellerie lassen sich in die individuellen Betriebe übernehmen und wo kann die Kettenhotellerie bei den individuellen Hotels noch dazulernen?

Gerne möchte ich Sie einladen, über diese Punkte hier auf dem Blog zu diskutieren und Meinungen auszutauschen.

Ich bin gespannt auf Ihre Beiträge…

  1. Hallo,

    ich konnte zwar nicht beim Destinationcamp dabei sein, habe aber in der Zwischenzeit viele Berichte darüber gelesen. Die erwähnten Themen sind extrem wichtig aber gleichzeitig auch ein sehr weites Feld. Gerade in der Hotellerie sind gut ausgebildete und kompetente Mitarbeiter das legendäre i-Tüpfelchen, das für Gäste einen Hotelaufenthalt erst perfekt macht.

    Somit investieren wir vom Estrel Berlin nicht nur kontinuierlich in unsere Hardware sondern auch in intensive Schulungen aller Mitarbeiter ? nicht umsonst umfasst unser Schulungskatalog über 70 Seiten und bietet neben Kursen zur Gesundheitsförderung, Verkaufstrainings, Software-, BWL- und Fremdsprachen-Schulungen auch spezielle Managementtrainings. Und diese Weiterbildungen sind sehr beliebt und schnell ausgebucht. Positiver Nebeneffekt: Nicht nur die Krankheitsstatistik weist einen Rückgang auf, auch die Betriebszugehörigkeit ist mit 5 Jahren rekordverdächtig.

    Um unsere Auszubildenden im Estrel besser auf berufliche Herausforderungen vorzubereiten und ihr Engagement zu fördern, haben wir vor rund zwei Jahren ein deutschlandweit wohl einzigartiges Projekt ins Leben gerufen: Im März 2009 hat ein Team aus Hotelfach-, Restaurantfach- sowie Koch-Azubis des Estrel die Gastronomie (Restaurant und Gästezimmer) des Schloss Britz in Berlin übernommen. In dieser geschichtsträchtigen Umgebung sind die Azubis komplett eigenverantwortlich für sämtliche Bereiche darunter Personalplanung, Warenbestellungen, Preisgestaltung, Service, Küche, Reinigung und Monatsabrechnung. Alle sechs Monate wechselt das Team, bei Bedarf steht den Auszubildenden ein Projektleiter aus dem Estrel beratend zur Seite. Damit möchten wir unsere Azubis frühzeitig in verantwortungsvolle Management-Positionen bringen und sie somit auch langfristig als Mitarbeiter für unser Haus gewinnen. Dadurch das die Azubis aus unterschiedlichen Ausbildungsjahrgängen kommen, „erziehen“ sie sich dort auch selbst und lernen von einander. Viele neue Azubis bewerben sich inzwischen gerade wegen dieses Projektes bei uns und es ist uns dadurch gelungen intern das Image der Ausbildungsberufe Koch und ReFa zu verbessern.

    Liebe Grüße,

    Miranda Meier
    Pressesprecherin Estrel Berlin


  2. Hallo Georg,

    ich versuch´ mal dieses komplexe Thema aus meiner Sicht kurz zu erläutern.

    Das „Elend“ beginnt doch schon in den Fach- oder Berufsschulen. Zuwenig qualifizierte Lehrkräfte, zuwenig Stunden, zuwenig Planstellen, nur um einige Punkte zu nennen. Weiter geht´s bei starren Lehrplänen, sinkenden Schülerzahlen, schwerfällig reagierenden Verbänden und Berufskammern. Neue Berufsbilder müsten geschaffen werden und zeitnah und unbürokratisch umgesetzt werden.

    Ein großes Manko in der Hotellerie ist doch, daß oft einfach die passenden Leute fehlen, um Neuerungen, die immer in kürzeren Intervallen auf die Betriebe zukommen, an die jungen Hotelfachleute weiterzugeben. Schulungen, die ein breites Spektrum an Themenbereichen abdecken, wären da eine sinnvolle Hilfe. Optional oder freiwillig und nicht nur durch hauseigenes Führungspersonal, sondern auch durch externe Spezialisten. Funktionieren tut dies allerdings nur in großen Betrieben, weil diese über die notwendigen finaziellen Mittel verfügen. Bei nachweislich positiven Ergebnissen erfolgt auch eine Wertschätzung seitens der Führungsebene. Das erworbene Wissen muß aber dringlichst nicht nur horizontal, sondern auch vertikal weitergegeben werden. Checklisten o.ä. erweisen sich da oft als sehr hilfreich. Beispielhaft auf diesem Sektor arbeitet der „Schindlerhof“ in Nürnberg mit Klaus Kobjoll an der Spitze.

    Weiterbildungsangebote gibt es ja genug, werden zum Teil auch über die Verbände o.ä. Institutionen weitergegeben. Aber eher nach dem Gießkannenprinzip. Dem Wissbegierigen bleibt also nur die Suche nach eigenem Gutdünken…Internet oder Fachzeitschtiften.Selbst dort sind die Angebote wenig strukturiert oder in einzelne Themenbereiche aufgegliedert.

    Dein Spruch: „Nicht Gackern, sondern Legen!“ hallt bei mir noch lange nach.
    Ich für meinen Teil werde den umliegenden Berufsschulen und den Lehrern mein neuerworbenes und bereits vorhandenes Wissen anbieten. Die Hardware und technische Vernetzung ist ja überall vorhanden.

    Mein Problem dabei: Zeit!

    Liebe Grüße aus Oberstaufen

    Silvia


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